So genießt du deine erste Kinky-Convention

Meine erste Messe war die BoundCon 2015 in München. Damals bin ich noch als Rigger hingefahren, um Seil und Bondage-Equipment zu kaufen. Ich hatte keine Ahnung, was bei solchen Events sonst noch passiert – und war enttäuscht, als ich merkte, dass ich Eintritt zahlen musste, nur um überhaupt shoppen zu können.

Am selben Tag hinfahren, am selben Tag zurück. Meine Freundin und ich sind einfach durch die Location gelaufen, haben jeden Stand angeschaut, und ich bin mit einem Toy wieder raus. Das war’s. Ich fühlte mich abgezockt und dachte, Kink-Events sind wohl nichts für mich.

Heute weiß ich es besser. Ich war in den letzten Jahren regelmäßig auf der BoundCon, Obscene und Passion – um nur ein paar zu nennen – habe Workshops geleitet und an Ständen gearbeitet. Ich habe Hunderte Besucher*innen durch diese Events kommen und geehen sehen, und ich erkenne, wer ein großartiges Erlebnis haben wird und wer gestresst, überfordert ist und nie wiederkommt.

Der Unterschied ist nicht das Event selbst. Es ist kein Glück. Es ist deine Haltung, mit der du hingehst, wie du dich vorbereitest und was du tatsächlich von dem Wochenende erwartest.

Denk neu darüber nach, was eine Convention eigentlich ist

Die meisten denken, es geht vor allem ums Shoppen. Tut es nicht. Ja, Aussteller sind da. Aber das eigentliche Herz dieser Events ist die Community, Lernen, Ausprobieren und Verbindung.

Es gibt Workshops zu ganz unterschiedlichen Themen. Manche Messen sind stärker auf Rope und Impact Play fokussiert, andere mehr auf Konsens, Sicherheit, Intimität, Kommunikation. Es gibt Shows und Demonstrationen. Manche haben VIP-Lounges, andere Play-Corners, in denen Menschen spielen oder einfach zusammen abhängen. Und es sind Hunderte bis Tausende Menschen da, die neugierig und offen sind und aktiv andere mit ähnlichen Interessen kennenlernen wollen.

Als ich zur BoundCon ging und dachte: „Ich shoppe Seil“, habe ich das eigentliche Event um mich herum komplett verpasst. Ich war in keinem einzigen Workshop. Ich habe mit niemandem gesprochen außer mit den Verkäufer*innen. Ich habe nicht verstanden, dass der Eintritt wegen all dieses Programms existiert – nicht trotz dessen.

Wenn du auf eine Messe gehst und nur Shopping erwartest, bist du enttäuscht, wenn dein Budget klein ist oder du nicht genau das findest, was du willst. Wenn du aber hingehst, um zu lernen, dich zu vernetzen und zu sehen, was möglich ist, wird es eine völlig andere Erfahrung – unabhängig davon, wie viel Geld du ausgeben kannst.

Plane deinen Besuch – aber passe deine Erwartungen an

Mach deine Hausaufgaben. Recherchiere das Event, schau dir die Ausstellerliste an, wirf einen Blick in den Workshop-Plan. Schau, was dich interessiert. Das ist wichtig, weil es dir hilft, wirklich teilzunehmen, statt nur herumzutreiben.

Aber hier kommt der entscheidende Punkt: Plane dein Budget nach dem, was du realistisch ausgeben kannst – nicht nach dem, was du glaubst ausgeben zu „sollen“. Komm nicht mit Shopping-Erwartung, wenn du 50 Euro hast. Komm mit der Erwartung, dich zu vernetzen, zu lernen, mit Menschen zu sprechen, zu sehen, wie sich Dinge in echt anfühlen und funktionieren. Das ist viel mehr wert als ein Kauf. Und wenn du shoppen willst, plane das im Voraus – und behalte immer im Hinterkopf, dass du vielleicht etwas siehst, das du unbedingt haben willst.

Und wenn du Budget zum Ausgeben hast: super. Aber sei dir bewusst, dass viele ihre besten Erfahrungen machen – ganz unabhängig von den Euros in der Tasche. Der Unterschied ist die Erwartung. Sie sind gekommen, um präsent zu sein, nicht um zu besitzen.

Nimm dir Zeit für deinen Besuch. Mach nicht: am selben Tag hinfahren plus Event plus am selben Tag zurück. Wenn du kannst, geh an einem weniger vollen Tag. Meide als Erstbesucher*in nach Möglichkeit die Samstag-Spitzenzeiten. Die Menschenmassen, der Lärm, die Reizüberflutung können wirklich lähmend sein. Freitag Nachmittag oder Sonntag ist um ein Vielfaches besser zu bewältigen. Du kannst wirklich durchatmen, Gespräche führen und alles aufnehmen.

Sprich wirklich mit Leuten (es ist leichter, als du denkst)

Ja, fremde Menschen anzusprechen ist unangenehm. Aber die Leute auf diesen Events sind genau deshalb dort, weil sie andere kennenlernen wollen. Du störst nicht.

Viele Aussteller veranstalten regelmäßige Stammtische, bei denen sich Leute treffen. Geh hin und sag: „Hey, ich bin zum ersten Mal hier und kenne niemanden. Kann ich mich dazusetzen?“ Worst Case: Sie sagen nein. Wahrscheinlicher: Du bist plötzlich Teil einer Gruppe, die wirklich freundlich ist und dir helfen will, dich zurechtzufinden.

Sei respektvoll und achte auf die Menschen und die Stimmungen im Raum. Fragen kostet nichts, aber manche Antworten werden dich vielleicht überraschen. Gerade für introvertierte: Menschen in dieser Community sind häufig sensibel, feinfühlig und emotional sehr intelligent. Sie werden dich bemerken und dir helfen, dich zurecht zu finden, gib ihnen und dir die Chance.

Du sammelst Informationen, knüpfst Kontakte und lernst, wie diese Community wirklich funktioniert. Das ist das eigentliche Event.

Praktische Dinge (weil Komfort zählt)

Es gibt meistens keinen Dresscode, aber es hilft, dich so anzuziehen, dass du dich gut fühlst. Manche kommen in Jeans und Shirt. Andere tragen Leder, Latex, Goth oder komplette kinky Outfits. Beides ist völlig normal. Umkleiden gibt es vor Ort.

Trag bequeme Schuhe. Du wirst stundenlang stehen und laufen. Schmerzhafte Füße ruinieren alles.

Nutze die Garderobe. Je weniger du trägst, desto besser. Enge Gänge sind stressig, wenn du mit Taschen beladen bist – und du stößt an Leute oder bleibst irgendwo hängen.

Wenn Vendoren nur Bargeld nehmen und das WLAN ausfällt, brauchst du etwas Bargeld. Aber darüber hinaus: Nimm nur das mit, was du dir leisten kannst.

Also geh hin. Wirklich: Geh hin.

Mach es trotz Angst. Mach es trotz Zweifel. Mach es trotzdem.

Die meisten Erstbesucher*innen verändern sich im Laufe eines Wochenendes. Aber die Magie steckt nicht im Event – sie steckt darin, mit Neugier und offenem Mindset aufzutauchen.

Ich kündige immer an, wo ich moderiere. Schau also unbedingt auf meinen Plattformen vorbei und folge mir, um auf dem Laufenden zu bleiben.

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