Plus-Size-Mode-Mythen, die mich klein gehalten haben (und wie ich davon weg kam)

Selbstbewusste Plus-Size-Person in einem Outfit, das sie eindeutig mit Absicht gewählt hat, Plus-Size-Modemythen

Jahrelang habe ich mich so angezogen, als müsste ich mich verstecken. Nichts Enges, nichts, das „Aufmerksamkeit erregt“, immer eine Größe, die das kaschieren konnte, was auch immer an diesem Morgen zum Problem erklärt wurde. Ich dachte, ich wäre schlau. Ich folgte Regeln, die Modemagazine für mich geschrieben hatte – und diese Regeln hatten genau einen Job: mich so schlank wie möglich aussehen zu lassen, so unsichtbar wie möglich.

Das ist der Punkt, über den ich heute sprechen möchte: Niemand darf entscheiden, was du aufgrund deiner Figur tragen „darfst“. Kein Magazin, keine „10 Fehler, die dickere Frauen machen“-Listen, nicht die Stimme in deinem Kopf, die gelernt hat, sie zu zitieren. Lass mich dich durch die Mythen führen, die ich geglaubt habe – und was ich heute darüber denke.

„Dunkle Farben machen schlank, also bleib bei Schwarz“

Lass mich das klarstellen, ich liebe ein gutes schwarzes Outfit. Gothic, alternativ, komplett in Schwarz kann atemberaubend, scharf und voller Persönlichkeit sein. Schwarz ist nicht das Problem.

Die Frage ist, warum du danach greifst. Es gibt einen Unterschied zwischen der Wahl von Schwarz, weil das dein Stil ist und du etwas Cooles und Bewusstes daraus machst, und dem Verstecken in Schwarz, weil dir gesagt wurde, dass der Rest des Farbkreises nicht für einen Körper wie deinen ist. Das eine ist Ausdruck. Das andere ist eine kleinere Version von dir, die auf Nummer sicher geht.

Wenn du also ein Goth bist, go for it. Das ist eine echte, bewusste Ästhetik und sie gehört dir. Stell nur sicher, dass es eine Entscheidung ist, kein Versteck.

„Muster und Streifen lassen dich dicker aussehen“

Horizontale Streifen ruinieren dir angeblich dein Leben. Große Prints sind „nichts für dich“. Wer hat das entschieden und warum haben wir alle einfach genickt?

Die ehrliche Antwort ist, dass diese Regeln existieren, um zu verhindern, dass das Auge auf dir landet. Das ist die ganze Logik hinter den meisten Plus-Size-Modetipps: schrumpfen, verschmelzen, nicht auffallen. Ich finde das ein bisschen traurig und vor allem einfach falsch. Ein Print, den du liebst, zieht Aufmerksamkeit auf sich, weil er schön ist und dir steht, nicht weil dein Körper ein Makel ist, den jemand vergessen hat zu verstecken.

Das heißt nicht, dass ich dir sage, du sollst kunterbunt werden, von Kopf bis Fuß Regenbogen, wenn das nicht du bist. Das wäre nur ein Kostüm gegen ein anderes auszutauschen. Es geht darum, etwas zu wagen, wovon du dich selbst abgehalten hast. Ein Muster. Eine Farbe, die du immer an anderen bewundert hast. Schau, wie es sich anfühlt.

„Warte, bis du abgenommen hast, dann kauf dir die schönen Sachen“

Das hier ist der stille Killer. Das gute Kleid hängt hinten im Schrank mit den Etiketten dran und wartet auf eine kleinere Version von dir, die vielleicht nie ankommt und definitiv nicht die einzige Version von dir sein sollte, die sich gut fühlen darf.

Ich habe meinen Körper jahrelang als Vorher-Foto behandelt. Jedes schöne Ding wurde verschoben, bis ich es mir verdient hatte, indem ich schrumpfte. Hier ist, was ich jetzt weiß: Der Körper, den du an einem normalen Dienstag hast, ist derjenige, der die guten Sachen tragen darf. Nicht ein hypothetischer zukünftiger. Kleide dich für die Person, die du heute bist.

Lass uns „vorteilhaft“ hinterfragen

„Vorteilhaft“ bedeutet fast immer: „lässt dich so dünn wie möglich aussehen“. Ein Schnitt ist „unvorteilhaft“, wenn er dich größer aussehen lässt, als du bist. Ein Outfit ist „falsch“, wenn sich eine Hautfalte abzeichnet, wenn dein Bauch eine Form hat, wenn der Stoff auf deinem echten Körper liegt statt auf einem ausgedachten, glatteren.

Wie oft hab ich den Satz gehört „sie könnte sich aber auch mal vorteilhafter anziehen“. Die Gesellschaft lässt uns glauben, das einzige Ziel hinter Mode ist, möglichst schlank auszusehen. Doch nur weil das andere erwarten, sich wünschen, musst du selbst nicht weiter diesen Mustern folgen.

Ich möchte, dass du wirklich fragst, warum. Warum ist es ein Versagen, größer auszusehen, als du bist? Warum ist eine sichtbare Rolle ein Problem, das wegkonstruiert werden muss? Dein Körper hat Rollen und Kurven und weiche Stellen, weil er ein Körper ist, nicht weil du dich falsch gekleidet hast. Die Kleidung hat nicht versagt. Der Standard basiert nur auf der Idee, dass dünner immer besser ist, und ich akzeptiere diesen Standard nicht.

Für mich geht es nicht darum, schlank auszusehen. Es geht um Harmonie und Ästhetik. Harmonieren die Farben miteinander, fühlt sich die Form nach mir an, sehe ich aus wie eine Person, die eine Entscheidung getroffen hat, die ihr gefällt? Das ist die Frage. Mode ist Ausdruck und Kreativität, und dieses Recht gehört nicht nur konventionell, normschönen Körpern. Es gehört auch dir.

Und ja, wir dürfen uns sexy kleiden

Wenn Kleidung für Ausdruck zählt, dann zählt sexy auch. Du darfst heiß aussehen wollen. Nicht für jemand anderen, nicht erst, wenn du in eine genehmigte Form geschrumpft bist, jetzt, in dem Körper, den du hast.

Hier kommen Materialien ins Spiel. Teil des Mutiger-Werdens ist, dich experimentieren zu lassen, Satin, Leder, Mesh, Spitze und meine große Liebe, Latex. Verschiedene Stoffe machen verschiedene Dinge mit einem Körper, und du findest nicht heraus, welche sich nach dir anfühlen, bis du sie ausprobierst.

Latex ist das Boss-Level für viele Menschen, egal welches Geschlecht. Es ist eng. Es zeigt jede Linie. Es gibt kein Darüberfließen, kein Verstecken einer Rolle, keine imaginierte glattere Version darunter. Es sitzt auf deinem tatsächlichen Körper und sagt: Hier bin ich. Das erschreckt viele Menschen, und ich verstehe es, weil es mich auch erschreckt hat. Lange Zeit war ich sicher, dass es bei jemandem meiner Größe einfach doof aussehen würde. Mein erstes Teil war kein Catsuit, es war ein einfaches Latex-Skaterkleid, und als ich mich das erste Mal in etwas gezippt habe, das sich an mich schmiegte, statt mich zu verstecken, hat es Klick gemacht. Das Material, vor dem ich am meisten Angst hatte, stellte sich als dasjenige heraus, bei dem ich mich am meisten wie ich selbst fühlte.

Du musst nicht mit Latex anfangen. Fang mit dem Material an, das dich auf gute Weise ein bisschen nervös macht. Der Punkt ist derselbe: Ein Stoff, der deine Form zeigt, legt keinen Makel offen. Er zeigt einfach dich. Wenn du einen sanften Ort suchst, um das auszuprobieren, existieren meine Workshops genau dafür.

Wie wirst du also tatsächlich mutiger?

Mutiger sein zu wollen und gleichzeitig verängstigt zu sein, ist völlig normal. Du musst nicht warten, bis die Angst verschwindet. Du bewegst dich, während sie da ist.

Ein paar Dinge, die für mich funktioniert haben:

Du darfst platz einnehmen, in Farbe, in schwarz, in Muster oder auch in ruhig, in Stoffen locker oder eng. Es gibt nichts zu verstecken, weil an deinem Körper nie etwas falsch war. Nichts zu verbessern, nichts zu verkleinern oder zu verstecken.

Mach es trotz Angst. Mach es trotz Zweifel. Mach es trotzdem.

Dein Körper ist kein Problem, um das herum du dich kleiden musst. Er ist der ganze Sinn.

Alle Körper verdienen es zu glänzen.

Wenn du mehr davon willst, mein Journal ist voll davon.

PS: Schnelle Filmempfehlung: schau dir unbedingt den Film Empire Waist an!

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